Achim Amann im Gespräch mit Enes Fatal über energetische Sanierung und Wertsteigerung von Immobilien

Immobilienwert steigern durch Sanierung?

Energetische Sanierung kann Kosten senken und den Immobilienwert steigern. Doch nicht jede Maßnahme lohnt sich. Im Gespräch mit Anas Fattal von Strukturia geht es um PV-Anlagen, Wärmepumpen, Fördermittel und typische Fehler beim Kauf oder Verkauf einer Immobilie.

Wer heute eine Immobilie kauft oder verkauft, kommt an einem Thema kaum vorbei: energetische Sanierung.  Nicht, weil jedes Haus sofort komplett modernisiert werden muss. Und auch nicht, weil jede Maßnahme automatisch sinnvoll ist. Sondern weil Energie, Finanzierung, Fördermittel und spätere Verkaufbarkeit inzwischen eng zusammenhängen.

In der 74. Folge der Berliner Immobiliengespräche spricht Achim Amann mit Anas Fattal, Gründer von Strukturia, über genau diese Fragen: Was lohnt sich? Was ist übertrieben? Welche Maßnahmen steigern den Wert einer Immobilie wirklich? Und warum Käufer wie Verkäufer vor allem eines brauchen: eine realistische Einschätzung vor der Entscheidung.

Zentrale Takeaways aus dem Gespräch

  1. Sanierung beginnt nicht mit der Baustelle
    Sondern mit Verbrauch, Budget, Zustand der Immobilie und einer ehrlichen Wirtschaftlichkeitsprüfung.
  2. Nicht jede energetische Maßnahme lohnt sich sofort
    Eine PV-Anlage kann sinnvoll sein – aber nicht auf jedem Dach und nicht bei jedem Verbrauch.
  3. Kleine Maßnahmen können viel bewirken
    Hydraulischer Abgleich, Ventile, Wärmeverteilung oder Dachdämmung sind oft der bessere erste Schritt als der große Rundumschlag.
  4. Fördermittel sind ein entscheidender Faktor
    KfW, BAFA und regionale Förderungen können die Wirtschaftlichkeit deutlich verändern.
  5. Verkäufer sollten nicht blind sanieren
    Wer vor dem Verkauf 100.000 Euro investiert, bekommt nicht automatisch 150.000 Euro mehr.
  6. Käufer können alte Immobilien gezielt nutzen
    Ein schlechter energetischer Zustand kann ein Argument für Preisverhandlung, Förderung und langfristige Wertsteigerung sein.
  7. Gute Beratung verhindert teure Fehler
    Makler, Energieberater und Finanzierungsberater sollten früh zusammen gedacht werden.

Warum energetische Sanierung heute anders bewertet wird

Die vergangenen Jahre waren geprägt von Unsicherheit: steigende Energiepreise, politische Diskussionen, neue Gesetze, verunsicherte Eigentümer.

Viele Käufer fragen sich heute:
Was kommt auf mich zu, wenn ich ein älteres Haus kaufe?

Viele Verkäufer fragen sich:
Muss ich vor dem Verkauf noch sanieren?

Die wichtigste Antwort aus dem Gespräch lautet: Es gibt keine pauschale Lösung.

Entscheidend ist immer:

  • Wie hoch ist der Stromverbrauch?
  • Wie hoch ist der Wärmeverbrauch?
  • In welchem Zustand sind Dach, Heizung, Fenster, Keller und Fassade?
  • Welche Förderung ist realistisch?
  • Soll die Immobilie selbst genutzt, vermietet oder verkauft werden?

Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden.

PV-Anlage: sinnvoll, aber nicht automatisch

Eine typische PV-Anlage mit etwa 10 kWp liegt laut Enes Fatal grob bei 20.000 bis 25.000 Euro – je nach Ausstattung, Speicher, Hersteller, Service und Dach.

Das klingt zunächst viel. Langfristig kann sich die Investition aber rechnen, besonders wenn der Haushalt viel Strom verbraucht, ein Speicher eingebunden wird oder künftig eine Wärmepumpe beziehungsweise Wallbox hinzukommt.

Wichtig ist aber: Eine PV-Anlage ist kein Schnellgewinn.

Sie ist eine langfristige Investition in geringere Energiekosten, mehr Unabhängigkeit und bessere Verkaufbarkeit.

Für Verkäufer bedeutet das: Eine vorhandene PV-Anlage kann den Kaufpreis stützen.
Für Käufer bedeutet es: Wenn keine Anlage vorhanden ist, kann das ein Verhandlungsargument sein.

Wärmepumpe, Dach, Fenster: Die Reihenfolge entscheidet

Ein häufiger Fehler ist, einzelne Maßnahmen isoliert zu betrachten.

Eine Wärmepumpe braucht Strom.
Eine PV-Anlage liefert Strom.
Eine bessere Dämmung senkt den Wärmebedarf.
Ein geringerer Wärmebedarf ermöglicht eine kleinere Wärmepumpe.

Genau deshalb ist der Sanierungsfahrplan so wichtig.

Wer zuerst die falsche Maßnahme umsetzt, bezahlt später unter Umständen doppelt. Wer dagegen sinnvoll plant, kann Schritt für Schritt modernisieren.

Ein pragmatischer Einstieg kann sein:

  • hydraulischer Abgleich
  • Prüfung der Heizkörper und Ventile
  • Dachdämmung von innen
  • Prüfung von Fenstern und Wärmeverlusten
  • danach größere Maßnahmen wie Wärmepumpe oder PV-Anlage

Was Verkäufer daraus lernen sollten

Verkäufer sollten nicht reflexartig sanieren, nur um einen besseren Preis zu erzielen. Denn Käufer haben eigene Vorstellungen. Küche, Bad, Grundriss, Ausstattung und Materialien werden häufig ohnehin verändert. Eine teure Sanierung kurz vor dem Verkauf kann deshalb wirtschaftlich enttäuschen.

Sinnvoller ist oft:

  • Zustand transparent aufbereiten
  • Sanierungspotenzial darstellen
  • Kostenschätzung einholen
  • mögliche Förderungen vorbereiten
  • dem Käufer eine klare Entscheidungsgrundlage geben

Das schafft Vertrauen und kann den Verkauf erleichtern, ohne dass der Verkäufer selbst unnötig Kapital bindet.

Was Käufer daraus lernen sollten

Für Käufer liegt gerade in älteren Immobilien eine Chance. Wenn der Kaufpreis den Sanierungsbedarf realistisch widerspiegelt, kann eine ältere Immobilie durch Förderung, kluge Planung und schrittweise Modernisierung attraktiv werden.

Aber nur, wenn vorher sauber gerechnet wird. Wer ohne Energieberater, ohne Finanzierungsvergleich und ohne bauliche Einschätzung kauft, übernimmt Risiken, die später teuer werden können.

Der richtige Ablauf ist daher:

  1. Immobilie prüfen
  2. Energiezustand bewerten
  3. Sanierungsbedarf einschätzen
  4. Fördermöglichkeiten klären
  5. Finanzierung darauf abstimmen
  6. erst dann verbindlich entscheiden

Fazit: Sanieren ja – aber nicht aus Angst

Energetische Sanierung ist kein Modethema. Sie beeinflusst Kosten, Finanzierung, Wohnkomfort und den Wert einer Immobilie. Aber sie muss wirtschaftlich gedacht werden.

Nicht jede Maßnahme ist sinnvoll.
Nicht jede Förderung passt.
Nicht jede Sanierung zahlt sich beim Verkauf aus.

Der klügste Weg ist deshalb nicht Aktionismus, sondern Struktur: erst prüfen, dann rechnen, dann entscheiden.

Genau darin liegt der Wert des Gesprächs mit Enes Fatal: Es geht nicht darum, Eigentümern Angst zu machen. Es geht darum, Immobilien zukunftsfähig zu machen – mit Augenmaß, Fachwissen und einem klaren Blick auf Kosten und Nutzen.

Gespräch verpasst?

Alle Gespräche werden aufgezeichnet und können auf YouTube verfolgt werden.

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