Briten in Berlin

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Briten in Berlin

Nach der Brexit-Abstimmung Großbritanniens im Juni haben wir uns entschieden, England nicht nachzutrauern, sondern etwas Positives zu machen: In Form einer Kampagne genannt „Adopt a Remainian“- daß heißt wir geben einer jungen Britin die Chance sechs Monate lang mit uns in Berlin zu arbeiten, um den hiesigen Lifestyle mit dem in London zu vergleichen. Wir dachten uns, dass es interessant wäre, etwas über die Kosten und Qualität von Mietunterkünften zu erfahren, sowie die Pendelzeiten und den grundlegenden Lebenshaltungskosten. Unsere Teilnehmerin würde dann dieses Erfahrungen mithilfe eines Blogs und eines Videotagebuches aufzeichnen und damit vielleicht anderen, die in Erwägung ziehen nach Berlin zu ziehen, bei ihrer Entscheidung helfen.

Wir begrüßen nun herzlich Amy Brandhorst, 22 Jahre alt , eine Absolventin der Leeds Universität aus London (Bromley, Kent). Amy hat uns nun schon einen Monat lang begleitet als Teil unseres Presseteams. Wir sprachen mit ihr über den Brexit, Co-Working Spaces, das Finden der richtigen Nachbarschaft und wie sie sich in der Stadt zurechtfindet…

Du warst nun schon ein paar Wochen lang in Berlin – fühlt es sich anders an hier zu arbeiten als die Stadt als Tourist zu besuchen?

Bisher ist es gut gelaufen – mir macht es Spaß für Black Label zu arbeiten, da der Job ziemlich vielseitig ist. Manchmal untersuche ich Stadtteile und berichte darüber, aber ich bin auch losgefahren, um neue Entwicklungen in der Stadt zu sehen, was mir besonders gut gefällt, da ich mir die moderne Architektur anschauen kann. Jeden Morgen mit der U-Bahn zur Arbeit zu fahren gibt mir das Gefühl, dass ich ein richtiger Bewohner Berlins bin, da ich hier meinem Beruf nachgehe und dazu in Euros bezahlt werde und Steuern zahle.

Wo lebst du zurzeit und mit wem?

Ich lebe momentan im Herzen von Kreuzberg, wo ich mir eine Wohnung mit drei Deutschen und einem Engländer teile.

Welcher Kiez gefällt dir besonders?

 Ich mag Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof wegen ihrer künstlerischen Atmosphäre – die Straßen sind gepflastert mit Bars, Cafes und Second Hand Shops, die immer gut besucht sind, aber dennoch eine entspannende Atmosphäre haben und alle möglichen Arten von Menschen anziehen. Lichtenberg ist auch cool, wegen dem bemerkenswerten ostdeutschen Brutalismus und den vielen verschiedene Kulturen, die dem Stadtteil Würze verleihen, zum Beispiel durch den riesigen „Dong Xuan Markt“.

Was hat dich dazu gebracht dich bei unserer „Adopt a Remainian“ Kampagne zu bewerben? Was für Erfahrungen wolltest du daraus ziehen?

 Als ich ein paar Tage nach der Brexit-Entscheidung die „Adopt a Remainian“ Kampagne“ von Black Label entdeckt habe, dachte ich mir: Was für ein toller Einfall, wir Briten müssen uns darüber im Klaren sein, dass es auch Chancen für uns außerhalb Großbritanniens gibt. Ich habe bereits einige Erfahrungen in der Immobilienbranche in London machen können und ein großes Interesse am Immobilienmarkt und Architektur, also erschien mir diese Möglichkeit perfekt. Ich möchte Erfahrungen in einer neuen Arbeitsumgebung machen, als Teil eines multikulturellen Teams und ich möchte auch mehr über den Berliner Immobilienmarkt lernen, in einer Zeit wachsender Investments und aufregenden Bewegungen. Und natürlich möchte ich mein Deutsch verbessern!

Hat der Brexit dich angespornt? Was denkst du und deine Freunde darüber?

 Allerdings, das hat er. Nachdem ich vor ein paar Jahren ein Jahr lang in Berlin studierte, erwägte ich eine lange Zeit hierher zurück zu kommen, dann geschah der Brexit und die Entscheidung wurde mir abgenommen, da ich nicht wusste, was sich in der Zukunft bezüglich des freien Personenverkehrs ändern könnte. Die meisten meiner Freunde waren ernsthaft geschockt, wütend und betrübt über das Ergebnis, da wir weltoffen sind. Wir sehen uns als Europäer an.

Berlin ist die Nummer eins für Freelancer in Europa laut den neuesten Nachrichten. Denkst du, dass Berlin eine andere Denkweise im Gegensatz zu anderen Metropolen hat, welche Erfolg anspornt und ermöglicht? Mir erscheint es so, als dass es mehr auf den Moment, Wandel, die Erneuerung und was du selber schaffen kannst, hier in Berlin ankommt, um dir dein eigenes Leben zu kreieren – das heißt weniger fokussiert auf Traditionen, deinem sozialen Stand, Vermögen und wo du studiert hast.

 Das trifft es ziemlich genau – hier ist es niemandem wichtig zu welcher Universität du gegangen bist und diese Fixierung Großbritanniens auf Universitätstabellen gibt es hier einfach nicht und außerdem auch nicht die Obsession über deinen sozialen Stand. Hier in Berlin sind die Lebenshaltungskosten niedrig und es gibt weniger Ungleichheiten, was das Einkommen angeht, also gibt es größere Chancen zwischen den Schichten zu wechseln. Deine Mitmenschen und Arbeitgeber schätzen dich aufgrund deines Talents und deines Charakters ein und was du erreichen kannst.

Was zieht die jungen Leute und die Kreativen nach Berlin? Inwiefern ist der Lifestyle vergleichbar zu London?

Es zieht die Leute nach Berlin, weil du hier nicht viel Geld brauchst, um eine gute Lebensqualität zu erreichen, was in London leider nicht der Fall zu sein scheint. Hier ist das Essen in den Supermärkten preiswert und die Rechnungen und Mieten für die Restaurants sind viel günstiger als in anderen großen europäischen Hauptstädten, noch kannst du dazu viel mehr für dein Geld bekommen, wenn du etwas kaufst: Seien es geräumige Wohnungen in einem Altbau oder ein Neubau mit Bodenheizung und einem Balkon, wahrscheinlich kosten diese genauso viel wie eine kleine schäbige Wohnung in den Außenbezirken von London! Was das Geldsparen angeht kann ich noch nicht viel sagen, da ich bisher noch nicht lange genug hier gewesen bin. Jedoch habe ich mir schon einen Wochenendtrip nach Leipzig leisten können.

Wo lernst du deutsch zu sprechen?

Ich spreche deutsch mit einem meiner Mitbewohner, was eine hilfreiche tägliche Übung ist und bei der Arbeit übersetze und kopiere ich deutsche Texte von der Black Label Website. Ich denke auch darüber nach, zwei bis dreimal die Woche einen Deutschkurs zu belegen. Aber ich muss zugeben, dass es manchmal schwer sein kann hier Deutsch zu lernen – jeder spricht hier Englisch!

Hast du ein paar Tipps oder Attraktionen, die man gesehen haben muss, für Neuankömmlinge in der Stadt?

 Es könnte ziemlich bekannt sein, aber das Tempelhofer Feld ist großartig – es ist ein stillgelegter Flughafen, welcher in einen Park umgewandelt wurde. Man kann dort hingehen, um sich während des Tages zu entspannen und zu grillen, über die Landeflächen zu radeln oder später kommen, um den Sonnenuntergang zu betrachten und ein paar Bier trinken. Ein Tipp wäre sich, bevor man ein Gebiet besucht, ein wenig darüber zu informieren – es hilft sich die Geschichte des Ortes vorzustellen, sei es die Bauweise der Häuser, Ladenfenster, die Küche oder die Kultur. Nicht viele Neuankömmlinge werden wissen, dass Berlin von vielen wunderschönen Seen umgeben ist, welche per U/S-Bahn erreichbar sind. Und wenn dir die brutalistische Architektur gefällt, mach einen Abstecher nach Lichtenberg!

Berlin ist zwar eine lebhafte, kreative und internationale Stadt, aber wirkt im Gegensatz zu London sehr gelassen. Wenn du in einer Stadt bist kann es schnell vorkommen, dass du zum Konsumenten wirst und keine eigenen Dinge herstellst. Wo gehst du hin, um dich auszuruhen und zu sammeln?

Meine Wohnung ist der perfekte Ort dafür – es ist ein Altbau und mein Zimmer hat die ursprünglichen Doppeltüren als Eingang, schöne hohe Decken mit Verzierungen, große Fenster und freigelegte Betonwände. Ich kann mich dort einschließen, falls ich mal Ruhe gebrauchen kann oder die Fenster öffnen und dem Leben unten auf der Straße, sowie dem Echo der U-Bahn zuhören. Es gibt außerdem unzählige Cafes in der ganzen Stadt verteilt, in denen jeden Tag Freelancer arbeiten und man guten Kaffee und Essen kaufen kann, um den Tag durchzuhalten. St. Oberholz in Mitte und Tischendorf sind ideal dafür.

Welche sind die besten Co-Working Spaces in der Stadt?

 Die auffallend große Zahl von Freelancern bedeutet, dass es hier in der Stadt eine Menge Cafes mit W-Lan gibt, also kannst du für dich immer einen Ort finden, wo du arbeiten kannst. Das „Betahaus“ in Kreuzberg ist ein geräumiger Co-Working Space mit Paletten, auf dem man sitzen kann und das „Agora Collective“ in Neukölln hat eine einladende Arbeitsumgebung mit großen Tischen und reichlich Licht.

Woran arbeitest du gerade?

 Ich lade Blogs, Stadtführer, und alles was mit Berlin zu tun hat, in dem Presseteil von www.blacklabel-properties.com, hoch. Sie können auch mal in unser Instagramprofil @blacklabelproperties reinschauen, welches ich täglich aktualisiere.

 Brits in Berlin ist eine neue Reihe von Interviews in der wir mit Firmenleitern, Unternehmern und kreativen Köpfen reden, die Berlin zu ihrem Zuhause gemacht haben. Wenn Sie selber teilnehmen wollen oder uns einen Interviewpartner vorschlagen möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail an: nt@blacklabel-properties.com.